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Sonderpreis für „Digital Earth“ bei den „Digital Leader Awards“

Helmholtz-Projekt für innovative Geo- und Umweltforschung ausgezeichnet

Das Helmholtz-Projekt „Digital Earth“ für integrierte Geo-Forschung wurde gestern mit Sonderpreis für „Digital Science“ der „Digital Leader Awards“ in der Kategorie „Society“ ausgezeichnet. Die Firmen NTT und IDG Business Media vergeben diese Preise zusammen mit weiteren Wirtschaftspartnern branchenübergreifend an Projekte und Teams, die die digitale Transformation vorantreiben. Zu den Finalisten 2020 gehörten Konzerne wie Infineon, BMW oder die Ergo-Gruppe, aber auch Behörden wie die Bundesagentur für Arbeit. Das Helmholtz-Projekt ist jedoch der erste Preisträger aus öffentlich finanzierter Forschung.

Screenshot aus dem Digital Earth Viewer

Der Screenshot aus dem Digital Earth Viewer: Damit können Simulations- und Messdaten geographisch und zeitlich interaktiv exploriert und verglichen werden. Bild: Digital Earth

Hochspannung gestern Abend beim Team des Helmholtz-Projekts „Digital Earth“. Es gehörte zu den Nominierten für die renommierten „Digital Leader Awards“, die die Firmen NTT und IDG Business Media zusammen mit weiteren Wirtschaftspartnern branchenübergreifend an Vorreiter der digitalen Transformation vorgeben. Erst wenige Minuten vor dem Ende der Verleihungszeremonie gab das Moderationsteam gegen 19.30 Uhr bekannt, dass „Digital Earth“ einen Sonderpreis in der Kategorie „Gesellschaft“ (Society) für „Digital Science“ erhält.

„Das ist unglaublich toll. Wir sind das erste Projekt aus dem Bereich der öffentlich geförderten Forschung, das diesen Preis erhält“, sagt Prof. Dr. Jens Greinert vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er ist Gesamtkoordinator von „Digital Earth“, an dem neben dem GEOMAR auch das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), das Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das Helmholtz-Zentrum München (HMGU), das Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) beteiligt sind.

„Digital Earth“ startete im Mai 2018 und ist Teil einer umfassenden Strategie der Helmholtz-Gemeinschaft im Forschungsbereich Erde und Umwelt, die acht Zentren bei der Infrastruktur, datentechnisch und wissenschaftlich enger zu verzahnen. Jeden Tag erheben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft unzählige Daten über den Zustand unseres Planeten. Diese Daten stammen von Sensoren im Feld, Analysen im Labor, Satelliten im All und Modellen auf Großrechnern. Die Verarbeitung der großen, heterogenen Datenmengen stößt jedoch an Grenzen. „Wir entwickeln neue Methoden, um Daten aus atmosphärischer, mariner und terrestrischer Forschung zusammenzuführen und effizient zu analysieren“, umschreibt Professor Greinert die Ziele des Projekts.

Digital Earth Logo

Dabei nutzen die Forscherinnen und Forscher in Digital Earth nicht nur neue Methoden der Datenwissenschaften wie Machine Learning oder Analyseworkflows. Sie entwickeln diese auch weiter. „Hierbei ist eine enge und integrierte Zusammenarbeit zwischen Natur- und Datenwissenschaftlern notwendig, um die komplexen Prozesse im Erdsystem besser zu verstehen und Antworten auf Herausforderungen des Klimawandels, der Ressourcen-Sicherheit oder von zunehmenden Umweltgefahren geben zu können“, betont Professor Greinert.

Auch die Jury des Digital Leader Awards betonte die große Bedeutung der Digital Sciences für die Weiterentwicklung der Erdwissenschaften, auch wenn die Ergebnisse nicht wie bei anderen Preisträgern schon jetzt in Zahlen oder Gewinnen zu messen seien.

Flood explorer Screenshot

Der Screenshot zeigt den "Flood Explorer", einem gemeinsam entwickelten Werkzeug im Projekt Digital Earth. Bild: HZG

GERICS-Klimaforscherin Diana Rechid: "Im Projekt entwickeln wir ein Instrument, mit dem der Zugang zu simulierten Niederschlagsdaten wesentlich erleichtert wird. Standardisierte Ansätze sollen das vorausschauende Erkennen von Hochwasser in einer Region unterstützen und auch die langfristige Entwicklung solcher extremen Ereignisse unter Klimawandel in den Blick nehmen.“

"Das Besondere an Digital Earth ist die Vielzahl von unterschiedlichsten Disziplinen, die zusammenkommen müssen, um gemeinsam Ergebnisse wie den "Flood Explorer" oder andere standardisierter Ansätze zu entwickeln. Wir haben alle viel gelernt und es hat Spaß gemacht", ergänzt HZG-Küstenforscher Holger Brix.


Hintergrundinformation: HZG in Digital Earth
Anhand von zwei Beispielen sollen die Methoden zur Datenanalyse und fachrichtungsübergreifende Zusammenarbeit erprobt werden: Zum einen beschäftigen sich die Forscher mit Fluten und deren Auswirkungen, zum anderen arbeiten sie an einer Übersicht über die Methanquellen in der Deutschen Bucht.
Am Institut für Küstenforschung tragen Wissenschaftler zu beiden Teilen bei: Im Falle des Flut-Beispiels kombinieren sie Daten aus vielfältigen Quellen, z.B. FerryBoxen und Modelldaten, um sich ein umfassenderes Bild vom Umfang und den Auswirkungen der Schad- und Nährstoffe zu machen, die bei einem Elbe-Hochwasser in die Nordsee gespült werden. Im Methan-Beispiel arbeiten die Küstenforscher daran, mithilfe von Chemietransportmodellen und Daten aus Messkampagnen sowohl die menschgemachten als auch die natürlichen Quellen des Treibhausgases Methan in der Deutschen Bucht zu identifizieren und ihre Wechselwirkungen mit der Atmosphäre besser zu verstehen.

Kontakt:


Heidrun Hillen

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Tel: 04152 87 1648

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