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Norddeutschland im Klimawandel

Neues Handbuch fasst die wichtigsten Forschungsergebnisse über den Klimawandel in Norddeutschland zusammen

Was wissen wir über Klima, Klimawandel und deren Auswirkungen in Norddeutschland? Den aktuellen Forschungsstand fasst das neue Handbuch „Norddeutschland im Klimawandel“ verständlich zusammen. Herausgegeben wird das Buch von Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG).

Landschaft

Foto: Michael Fritz

„Trockenheit, Energiewende und Meeresspiegelanstieg – das sind nur einige Themen, die uns auch während der Corona Pandemie nicht vergessen lassen, dass es bezüglich des Klimawandels weiterhin Handlungsbedarf gibt. Lösungen für die damit einhergehenden Probleme müssen vor allem vor Ort auf regionaler Ebene gefunden werden, denn die Folgen des Klimawandels entfalten sich auf unterschiedliche Weise in den verschiedenen Wirtschafts-, Kultur- und Naturräumen“, so Dr. Insa Meinke. Die Klimaforscherin leitet das Norddeutsche Küsten- und Klimabüro, das am Institut für Küstenforschung des HZG angesiedelt ist. Eine umfassende Dokumentation des Forschungsstandes zum Klimawandel in Norddeutschland im Hinblick auf Konsens, Unsicherheiten und Wissenslücken erfolgte im 2018 veröffentlichten Hamburger Klimabericht. Das neue Handbuch fasst dieses umfangreiche Fachbuch verständlich zusammen. „Mit dem neuen Handbuch Norddeutschland im Klimawandel richten wir uns an interessierte Bürgerinnen und Bürger, die Politik und die Wirtschaft, die auf den Klimawandel reagieren müssen. Diesen wollen wir auf Basis der wissenschaftlichen Grundlage einen schnellen Einstieg und Überblick über die aktuelle Forschungslage verschaffen und die erforderlichen Reaktionen und Handlungsoptionen im Zusammenhang mit dem Klimawandel aufzeigen“, so die Herausgeberin.

Das kostenfreie E-Book können Sie hier durchblättern, herunterladen oder unten über den weiterführenden Link als gedrucktes Exemplar bestellen.

Klimawandel auch bei uns messbar

Messdaten liefern ein eindeutiges Bild: Die Klimaerwärmung hat sich auch in Norddeutschland beschleunigt. Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß ist mit einer weiterhin beschleunigten Erwärmung zu rechnen, die bis Ende des Jahrhunderts in Norddeutschland etwa 5 Grad erreichen kann. Auch in den Niederschlagsmessungen lassen sich innerhalb der letzten Jahrzehnte in Norddeutschland Änderungen nachvollziehen: Die Niederschlagsmenge hat sich im Winter erhöht. Trockenperioden dauern im Frühjahr inzwischen länger an als vor einigen Jahrzehnten. Diese Entwicklungen können sich künftig noch deutlich verstärken.

Stadtplanung neu ausrichten

Vor allem in der Stadtplanung müssen die bereits eingetretenen Klimaänderungen berücksichtigt werden, indem zum Beispiel durch Begrünung, Frischluftkorridore und schattenspendende Straßenbäume die städtische Erwärmung vermindert wird. Neue Konzepte zur Entwässerung, die Vermeidung von versiegelten Flächen und Niederschlagsspeicherung sind gefragt. Zudem muss das Bewusstsein für die möglichen Risiken durch den Klimawandel wachgehalten werden, damit Maßnahmen zur Minderung des zunehmenden Risikos wie Hochwasserschutz akzeptiert und wirksam eingesetzt werden können.

Ökosystemleistungen gefährdet

Sauberes Grundwasser, Bestäubung von Obstbäumen und Speicherung von Treibhausgasen sind Beispiele der für uns essentiellen Ökosystemleistungen, deren Beeinträchtigung tiefgreifende Konsequenzen für Norddeutschland hat. Der Klimawandel trägt zusammen mit Pestiziden und Krankheiten maßgeblich zum Rückgang von Bestäubern bei, von denen nicht nur 60 bis 80 Prozent der Wildpflanzen, sondern auch 35 Prozent der Feldfrüchte abhängig sind. Großflächige Grundwasserabsenkungen, Abtorfungen und landwirtschaftliche Nutzungen von Mooren vermindern die Kohlenstoffspeicherfunktionen von Böden, die vor dem Hintergrund des Klimawandels dringend erhalten bzw. wiederhergestellt werden sollten.

Versorgung beeinträchtigt

Die Landwirtschaft ist bezogen auf den Klimawandel Mitverursacherin und Betroffene zugleich. Die Verwendung von Stickstoffdünger zählt zu den bedeutendsten landwirtschaftlichen Emissionsquellen von Treibhausgasen. Gleichzeitig beeinflusst der Klimawandel schon heute den Anbau von Kulturpflanzen und die Tierhaltung. Durch veränderte Ausbreitung von Krankheitserregern muss der Pflanzenschutz angepasst werden. Zudem kann es zu Veränderungen im Bewässerungsbedarf und in der Bodenfruchtbarkeit kommen und so zu Gewinneinbußen führen.

Nachhaltigkeit als gesellschaftliche Aufgabe

Schon die bisherigen Folgen des Klimawandels und das ambitionierte Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erwärmung bis 2100 auf 1,5° gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, verdeutlichen die Notwendigkeit einer umfassenden Transformation in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Jeder Einzelne ist gefordert, Konsum- und Mobilitätsentscheidungen im Hinblick auf Klimaschutzaspekte zu überdenken. Für Unternehmen wird die Gestaltung energieeffizenter Produktionsprozesse und Produkte verstärkt zum Wettbewerbsfaktor. Politik und Verwaltung können den Wandlungsprozess durch Förderung von Infastrukturen unterstützen, die energieeffizentes Handeln ermöglichen.

Hintergrund

Das Handbuch ist im Rahmen des EU-Projektes Co-Cli-Serv entstanden. Ziel des Projekts ist die Entwicklung ortsbezogener Klimainformationen. Im Rahmen von Vorträgen, Workshops und Diskussionsveranstaltungen des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros wurde wiederholt der Wunsch nach einer verständlichen Zusammenfassung zum Klimawandel in Norddeutschland geäußert, die als Diskussionsbasis für weiterführende Entscheidungsprozesse dienen kann. Das Handbuch ist ein Auszug des „Hamburger Klimaberichtes“ des KlimaCampus Hamburg, der teilweise durch Informationsangebote des Norddeutschen Küsten- und Klimabüros ergänzt wurde. Das Norddeutsche Küsten- und Klimabüro bündelt seit 2006 Forschungsergebnisse aus der Küsten- und Klimaforschung für Norddeutschland und bereitet diese für Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung auf.

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Kontakt


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Dr. Insa Meinke

Institut für Küstenforschung

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Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Tel: +49 (0) 41 52 / 87 - 1784

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